Knochen- und Weichteiltumore
Bösartige Knochen- und Weichteiltumore sind insgesamt selten (30 Fälle/Jahr/ 1 Millionen Einw.). Die Prognose dieser bösartigen Tumore hat sich durch den Einsatz multimodaler Therapiekonzepte wesentlich verbessert. Vorraussetzung ist allerdings eine fachgerechte Betreuung, schon bevor die Dignität des Tumors gesichert ist.
Gutartige Weichgewebstumore wie Lipome, Fibrome, Hämangiome (Blutgefäßgeschwülste) sind häufig, bedürfen jedoch bei eindeutiger klinisch-radiologischer Diagnosestellung und ohne Größenzunahme keiner chirurgischen Therapie. Hier sollte nur chirurgisch vorgegangen werden, wenn eine Größenzunahme zu verzeichnen ist und damit der Verdacht auf eine bösartige Umwandlung geäußert werden muß. Eine operative Behandlung ist auch indiziert wenn durch die Größe oder Lage der Geschwulst Gelenke behindert oder Gefäß- bzw. Nervenstrukturen beeinträchtigt werden. Die Hauptlokalisation der Weichgewebstumoren liegt an den unteren Extremitäten, da hier auch etwa 45% der Körperweichteile zu finden sind.
Gutartiges Ganglion am Kniegelenk
Wie auch bei allen anderen Tumoren des Menschen existieren für den Knochen sowohl gutartige als auch bösartige Varianten, die natürlich einer unterschiedlichen differenzierten Behandlung bedürfen.
Für die weitaus häufigeren gutartigen Knochentumoren bzw. tumorähnlichen Veränderungen wie zum Beispiel die Exostose am Oberschenkelknochen, das Enchondrom am Finger oder die juvenile Knochenzyste des Oberarmknochens und das nicht ossifizierende Knochenfibrom stehen, wenn sie einer operativen Behandlung bedürfen, die Verfahren der alleinigen Resektion mit oder ohne Knochenersatz, die Kürretage mit oder ohne Knochenersatz, die Zementierung von Knochendefekten oder die Instillation von Medikamenten zur Verfügung. In der Regel lassen sich solche Knochenveränderungen damit ohne die Gefahr des Wiederauftretens zur Ausheilung bringen.
Juvenile Knochenzyste am Oberarm mit pathologischer Fraktur
Für die bösartigen Knochentumoren, die sehr selten auftreten (Osteosarkom, Ewing-Tumoren, Chondrosarkom), gelten die onkologischen Behandlungskriterien wie für andere bösartige Tumoren auch. Dabei ist als Voraussetzung für eine Heilung die vollständige Tumorentfernung mit einer ausreichenden Schicht von gesundem umliegenden Gewebe anzusehen. Während in früheren Jahren häufig eine Amputation der betroffenen Extremität durchgeführt wurde, ist heute durch multimodale Therapiekonzepte eine extremitätenerhaltende Operation möglich.
Für solche Fälle kommen z.B. nach ausgedehnten Resektionen zusätzliche Stabilisierungsmaßnahmen nach Knochentransplantationen zur Anwendung. So lassen sich größere Knochendefekte nach Tumorresektion auch mittels spezieller Knochenverlängerung als Segmenttransport im Ilizarov-Ringfixateur behandeln.
Ebenso kann bei entsprechender Indikation der Defekt nach Resektion eines bösartigen Knochentumors mit stabilen Implantaten oder einer speziellen Tumorendoprothese überbrückt werden.

Bsp.: Osteosarkom des distalen Radius metaphysär bei 15jährigem Mädchen. Tumorresektion mit Defektüberbrückung durch winkelstabile Implantate. Nach Radiochemotherapie Wiederaufbau des Radius mit gefäßgestieltem Fibulatransplantat.

6 Wochen postoperativ
In der operativen Behandlung der bösartigen Weichgewebstumoren kommt es in der Regel zu größeren Weichgewebsdefekten, die plastisch gedeckt werden müssen. Dabei kann je nach Lokalisation die Mitresektion von Gefäßen, Nerven und Teilen von Knochen erforderlich werden. Dies bedarf dann natürlich einer entsprechenden Gefäß- oder Nervenrekonstruktion bzw. einer Stabilisierung des Knochens.
Liposarkom des Oberschenkels




