Chirurgie der Schilddrüse, Nebenschilddrüse und Nebenniere
"Schilddrüsenchirurgie"
Allgemeines
Die Schilddrüse befindet sich am Hals unterhalb des Kehlkopfes auf und neben der Luftröhre. Sie besteht aus zwei Lappen, die durch eine Brücke (Isthmus) verbunden sind und hat damit ein ähnliches Aussehen wie ein Schmetterling.
Die normal große Schilddrüse hat ein Volumen von ca. 20 ml.
In der Schilddrüse werden die jodhaltigen Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) gebildet, die vielfältige Stoffwechselprozesse steuern. Außerdem produzieren spezielle Zellen (C-Zellen) das Hormon Kalzitonin welches an der Regulation des Kalziumstoffwechsels beteiligt ist.
Die Ausschüttung der Schilddrüsenhormone wird über Regelkreisläufe vom Gehirn durch die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gesteuert und steht normalerweise in einem Gleichgewicht.
Etwa 20-30% der Bevölkerung in Deutschland, d.h. ca. 20 Millionen Einwohner, haben eine Schilddrüsenvergrößerung (Struma).
Die Ursache einer Struma ist der nahrungsbedingte Mangel an Jod, einem wichtigen Baustein der Schilddrüsenhormone.
70% der Patienten mit einer Schilddrüsenvergrößerung haben keine Störung der Funktion. Bei etwa 15% der Patienten tritt eine Überfunktion auf.
Symptome
Schilddrüsenerkrankungen können sich durch mechanische Beschwerden wie Druck- und Engegefühl am Hals, Luftnot oder Heiserkeit bemerkbar machen.
Bei Überfunktionen treten z.B. innere Unruhe, Nervosität, Schwitzen oder Herzrasen auf.

Patient mit großer Struma und mechanischen Beschwerden
Diagnostik
Die Diagnostik umfasst folgende Untersuchungen:
- Ultraschalluntersuchung
- Szintigrafie
- Bestimmung der Schilddrüsenhormone (TSH, ggf. fT3 und fT4)
- Laryngoskopie (Stimmbandspiegelung)
Behandlungsformen der euthyreoten Struma
Die Behandlung von gutartigen Schilddrüsenerkrankungen ist interdisziplinär und umfasst medikamentöse Maßnahmen, die Radioiodbehandlung und die operative Therapie.
Bei der medikamentösen Therapie werden zur Rückbildung der vergrößerten Schilddrüse Schilddrüsenhormone in Tablettenform verabreicht. Auch die Überfunktion der Schilddrüse, insbesondere der Morbus Basedow, kann durch Medikamente behandelt werden.
Bei der Radiojodtherapie wird ein schwach radio-aktives Jod verabreicht, welches zu einer Verkleinerung des Schilddrüsengewebes führt.
Bei der Operation wird das krankhafte Schilddrüsengewebe entfernt. Häufig ist auch eine komplette Entfernung der Schilddrüse notwendig.
Welches Therapieverfahren im einzelnen angewendet werden soll, hängt von den konkreten Untersuchungsergebnissen ab. Auch das Lebensalter und die Begleiterkrankungen des Patienten spielen bei der Entscheidungsfindung eine Rolle. Die Therapieverfahren haben unterschiedliche Vor- und Nachteile, so dass das günstigste Behandlungsverfahren individuell mit dem behandelnden Arzt und Patienten diskutiert und festgelegt werden sollte.
Operationsindikationen
Zu den gutartigen Schilddrüsenerkrankungen, die bei mechanischen Beschwerden oder Störungen der Funktion operativ versorgt werden, gehören:
- allgemein (diffus) vergrößerte Struma
- Knotenstruma
- Kalte Knoten
- Rezidivstrumen (erneutes Wachstum nach Operation)
- Schilddrüsenüberfunktion
- disseminierte Autonomie
- autonome Adenome
- Morbus Basedow - Schilddrüsenentzündung
- Thyreoiditis lymphomatosa Hashimoto
- Struma Riedel
Operationstechnik und Komplikationen
Ziel der Operation ist es, das gesamte erkrankte Gewebe zu entfernen. Die Schilddrüsenverkleinerung wird in Abhängigkeit vom Befund ein- oder beidseitig vorgenommen. Entsprechend den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen erfolgt zunehmend die komplette Entfernung eines oder beider Schilddrüsenlappen. Hierdurch wird zum einen sicher ein Rezidiv vermieden und zum anderen sind mit dieser Vorgehensweise die meisten zufällig gefundenen Schilddrüsenkarzinome ausreichend behandelt.

Zustand nach Schilddrüsenoperation
Die beiden wichtigsten Komplikationen bei einer Schilddrüsenoperation sind die Stimmbandlähmung infolge einer Verletzung des Stimmbandnerven (Häufigkeit 0,5%) und die Nebenschilddrüsenunterfunktion (1%) durch unbeabsichtigte Mitentfernung oder Durchblutungsstörung der Nebenschilddrüsen.
Um die Rate der Stimmbandlähmungen weiter zu senken wenden wir seit 2002 einen Nervenstimulator zur Überprüfung der Nervenfunktion während der Operation an.

Abb. links: Nervenstimulationsgerät
Abb. rechts: Arbeitsschema Nervenstimulator
Bösartige Schilddrüsenerkrankungen (Karzinome)
Bösartige Schilddrüsenerkrankungen treten mit einer Häufigkeit von 2-3 Neuerkrankungen pro 100 000 Einwohner im Jahr auf. Frauen sind dabei 2-3 mal öfter betroffen als Männer. Die häufigsten Schilddrüsenkarzinome sind das papilläre (in 70–80 %)und das follikuläre Karzinom (in 10-20%). Diese haben eine gute Prognose.
Bei schnell wachsenden oder sehr derben Knoten, fehlender Schluckverschieblichkeit der Knoten, kalten Knoten oder vergrößerten Halslymphknoten kann der Verdacht auf das Vorliegen eines Schilddrüsenkarzinoms geäußert werden. Dann wird zur Sicherung der Diagnose eine Punktion mit Gewinnung von Zellen zur feingeweblichen Untersuchung durchgeführt. Meistens werden Schilddrüsenkarzinome jedoch als Zufallsbefund bei der histologischen Untersuchung nach Operation einer Struma entdeckt.
Ist ein Schilddrüsenkarzinom histologisch nachgewiesen, muß eine totale Entfernung der Schilddrüse durchgeführt werden. Zusätzlich ist eine Entfernung der Halslymphknoten auf der betroffenen Seite und ggf. der Gegenseite notwendig.
Nur beim kleinen papillären Karzinom (bis 1 cm Größe) muss keine weitere Operation erfolgen.
An die operative Behandlung eines Schilddrüsenkarzinoms schließt sich eine spezielle Strahlentherapie – die Radioiodbehandlung an. Diese wird im Städtischen Klinikum Braunschweig oder in der Medizinischen Hochschule Hannover durchgeführt. Mit beiden Zentren pflegen wir eine intensive und erfolgreiche Zusammenarbeit. Die Radioiodbehandlung wird im Rahmen eines 8-10 tägigen stationären Aufenthaltes in Braunschweig oder Hannover durchgeführt.




