Diagnostik und Therapie – eine Orientierungshilfe für unsere Patienten

1. Allgemeine Informationen

Darmkrebs im Frühstadium hat sehr gute Heilungschancen. Eine vorsorgliche Darmspiegelung spielt dabei die entscheidende Rolle, weil dabei die Vorstufendes Darmkrebses, die Polypen, entdeckt, sofort abgetragen und untersucht werden können.

Übrigens – ab dem 56. Lebensjahr übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Ihre Vorsorgekoloskopie. Für Angehörige von an Darmkrebs erkrankten Patienten sind gegebenenfalls vorgezogene Vorsorgeuntersuchungen notwendig.

Sollten Sie Symptome, wie z.B. Blut im Stuhl, Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, eine ungeplante Gewichtsabnahme, Schwäche oder Blutarmut bemerken, gehen Sie bitte sofort zu Ihrem Hausarzt. Er wird dann die weitere Abklärung veranlassen.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage

http://www.klinikum-wolfenbuettel.de.

2. Vorstellung im Darmzentrum

Steht die Diagnose Darmkrebs fest, wird Sie Ihr Arzt zur stationären Behandlung an unser Krankenhaus überweisen. Sind weitere Untersuchungen notwendig, wenden Sie sich bitte an das Sekretariat der Klinik für Gastroenterologie, um dort die weiteren Termine (meist stationär) zu vereinbaren. Sofern bereits mit Ihnen die Notwendigkeit einer Operation besprochen wurde, vereinbaren Sie bitte einen Termin in der Sprechstunde der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Minimal-Invasive Chirurgie. Dort werden wir mit Ihnen Ihre Diagnose besprechen, danach einen Behandlungsplan erstellen und die stationäre Aufnahme planen.

Für alle ambulanten oder stationären Vorstellungen bei uns ist es wichtig,dass Sie sämtliche Unterlagen, Befunde und Bilder (am besten zusätzlich auf CD) mitbringen. Natürlich interessieren uns auch Unterlagen zu Ihren Vorerkrankungen oder früheren Operationen, sowie die Medikamente, die Sie einnehmen.

3. Tumorkonferenz

An der Behandlung von Darmkrebs (kolorektales Karzinom) sind viele Spezialisten beteiligt, insbesondere Visceralchirurgen, Gastroenterologen und Onkologen. Daher ist die wöchentliche Tumorkonferenz das Herzstück der Arbeit im geplanten Darmzentrum Wolfenbüttel. Jeder Patient mit einer Tumorerkrankung wird dort vorgestellt. Fachexperten aus den jeweiligen Abteilungen erarbeiten gemeinsam eine möglichst optimale, individuelle Therapieempfehlung, die auf den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Therapie-Empfehlungen der Fachgesellschaften basiert.

Auch die Durchführung der Therapie wird in der Tumorkonferenz überprüft, um eine Versorgung auf höchstem Niveau sicherzustellen. Es gibt viele Therapieoptionen bei Darmkrebs. Dazu gehören insbesondere die Operation, die Strahlen- und die Chemotherapie.Je nach Ort und Ausbreitung des Tumors wird individuell entschieden, welche Therapieformen notwendig sind und in welcher Reihenfolge diese durchgeführt werden müssen.  

Beim tiefsitzenden Mastdarmkrebs kann z.B. durch eine vor der Operation durchgeführte Strahlen- und Chemotherapie eine höhere Heilungsrate erreicht werden. Bei Tumoren im Frühstadium genügt möglicherweise auch die endoskopische Entfernung. Faktoren wie Alter, Vorerkrankungen, Operationsfähigkeit und der Wunsch des Patienten finden dabei immer Berücksichtigung.

4. Stationäre Aufnahme

Für die Zeit Ihres Krankenhausaufenthaltes werden Sie von unserem Pflegedienst sowie, falls notwendig, von unserer krankengymnastischen Abteilung fürsorglich betreut. Die allgemeinen Abläufe der stationären Aufnahme sind auf unserer Homepage unter "Ihr Aufenthalt" beschrieben.

Diagnostik Therapie 01

5. Erforderliche Diagnostik

Bei Patienten mit Darmkrebs sind neben der Darmspiegelung, mit der die Diagnose durch Probeentnahme aus dem Tumor gesichert wird, weitere Untersuchungen notwendig. Dazu gehören zumindest ein Ultraschall des Bauches, ein Röntgen des Brustraums sowie eine Reihe von Blutuntersuchungen. In vielen Fällen wird auch eine Computertomographie (CT) des Bauches durchgeführt. Bei tiefsitzenden Mastdarmtumoren erfolgt ein endoskopischer Ultraschall vor Ort (rektale Endosonographie). Weitere Untersuchungen wie ein Kontrastmittel-Ultraschall der Leber oder ein CT von Kopf oder Brustkorb werden im Einzelfall notwendig.

Diagnostik Therapie 02

6. Operation

Ist eine Operation notwendig, wird sie bei uns von speziell geschulten Darmchirurgen (Viszeralchirurgen) vorgenommen. Dabei kommen neueste, gewebeschonende Operationstechniken zum Einsatz. In einigen Fällen können wir den Eingriff minimalinvasiv (laparoskopisch) durchführen. Während der Operation wird auch geklärt, ob der Tumor in den Bauchraum gestreut hat.

Bei tiefen Mastdarmtumoren ist es unser Ziel, trotz der radikalen Tumorentfernung den Schließmuskel zu erhalten, so dass auf einen dauerhaften künstlichen Darmausgang (Stoma) verzichtet werden kann. Während der Operation können mittels Schnellschnitt Gewebeproben entnommen und untersucht werden. Das ermöglicht es uns, die laufende Operation bereits an die so gewonnenen Befunde anzupassen. Nach der Operation erfolgt dann die exakte Aufarbeitung des entnommenen Gewebes durch einen Pathologen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung liegen meist innerhalb von fünf bis acht Tagen vor und bestimmen das weitere therapeutische Vorgehen.

7. Nach der Operation

Natürlich ist eine Operation keine angenehme Situation, aber insbesondere die Angst vor Schmerzen danach möchten wir Ihnen nehmen. In Zusammenarbeit mit unseren Kollegen der Anästhesie und Schmerztherapie stellen wir für Sie in jeder Situation eine adäquate Schmerztherapie sicher. Dazu stehen uns moderne Techniken wie rückenmarksnahe Schmerzkatheter (PDK) oder Schmerzpumpen mit „Selbstbedienung“ (PCA-Pumpe) zur Verfügung.

Wir wollen Sie auch möglichst rasch wieder in Bewegung bringen. Unsere Pflegekräfte und Krankengymnasten werden Ihnen dabei helfen. Eine strenge Bettruhe ist nach Darmoperationen nicht erforderlich. Ganz im Gegenteil - rasche Mobilisation und intensive Atemgymnastik sind die beste Vorbeugung gegen Komplikationen wie Thrombose oder Lungenentzündung.

Ein Schluck Tee oder stilles Wasser sind unmittelbar nach der Operation erlaubt. Der weitere Kostaufbau richtet sich dann nach Ihrem Wohlbefinden und der einsetzenden Darmtätigkeit. Generell sind nach der Operation kleine, aber häufige Mahlzeiten (6 x täglich) und gutes Kauen vorteilhaft. Solange Sie noch nicht ausreichend Essen und Trinken können, erhalten Sie Infusionen über die Vene.

8. Tumorkonferenz nach der Operation oder Therapie

Nach jeder Operation, aber auch nach jeder Therapie, besprechen die beteiligten Ärzte in der Tumorkonferenz nochmals ausführlich die weitere Therapieplanung für den Patienten. Dabei liefern insbesondere die endgültige Beurteilung der Operationspräparate durch die Pathologen weiterführende Hinweise. Das genaue Stadium der Darmkrebserkrankung wird bestimmt. Das wiederum ist notwendig für die Festlegung der weiteren Behandlung und Überwachung.

9. Aufklärung und Beratung des Patienten

Gemeinsam mit dem Patienten besprechen wir ausführlich die Empfehlungen der Tumorkonferenz und die daraus folgenden Therapiealternativen. Wir empfehlen, in diese Gespräche auch die Angehörigen mit einzubeziehen. Die Termine für die Nachbehandlung werden von uns festgelegt, so dass jeder Patient mit klaren Empfehlungen aus der stationären Behandlung entlassen wird.

Eine Tumorerkrankung stellt immer auch eine besondere Belastungssituation dar. Neben der Belastung durch die Erkrankung gibt es häufig Fragen zu Familie, Arbeit, Sozialleistungen oder häuslicher Versorgung zu klären. Wir unterstützen unsere Patienten auch hierbei u.a. durch Angebote unseres Sozial- und Entlassmanagements, eine seelsorgerische Betreuung und auch eine psychoonkologische Beratungsmöglichkeit. Eine Ernährungsberatung kann ebenfalls in Anspruch genommen werden.

10. Entlassung aus dem Krankenhaus

In der Regel müssen Sie nach einer Darmoperation mit einem Krankenhausaufenthalt von 8 bis 14 Tagen rechnen. Vor der Entlassung erfolgt nochmals ein Abschlussgespräch zu den wesentlichen Behandlungsergebnissen und zur weiteren Therapieplanung. Auf Wunsch führen wir diese Gespräche gerne im Beisein von Angehörigen.

Schließlich wird während des stationären Aufenthaltes die Notwendigkeit einer Rehabilitations-Maßnahme geklärt. Diese beantragen wir für Sie gemeinsam mit unserem Sozialdienst.

Mit der Entlassung aus der stationären Behandlung erhalten Sie einen Arztbrief, der alle wesentlichen Behandlungsdaten (Diagnose, Therapie, Pathologie, Verlauf, Empfehlungen der Tumorkonferenz, Weiter- und Nachbehandlungsempfehlungen) beinhaltet und so eine lückenlose Weiterversorgung ermöglichen soll. Behalten Sie immer eine Kopie des Entlassungsbriefes bei Ihren persönlichen Unterlagen. Dazu bekommen Sie einen ausgefüllten Nachsorgepass, in dem Ihre persönlichen Tumor- und Nachsorgedaten zur Verlaufskontrolle eingetragen werden. Bitte legen Sie diesen Nachsorgepass bei jeder Therapie oder Nachsorgeuntersuchung Ihrem Arzt zur Ergänzung vor.

11. Nachbehandlung

Sollte eine Nachbehandlung (Chemotherapie oder Strahlentherapie) erforderlich sein, erfolgt diese fast immer ambulant. Die Art der Nachbehandlung wird in der Tumorkonferenz festgelegt. Wir organisieren für Sie den ersten Termin zur Nachbehandlung.

Sollte im weiteren Verlauf nachgewiesen werden, dass der Tumor lokal erneut gewachsen ist bzw. sich Absiedlungen in der Leber zeigen, stehen wir für Sie auch als Ansprechpartner zur Verfügung. Das therapeutische Vorgehen wird dann erneut in unserer Tumorkonferenz besprochen und eine adäquate Therapie eingeleitet. Sowohl eine erneute chirurgische Intervention (z.B. Leberteilentfernung) als auch lokale sonographiegesteuerte Verfahren sind möglich und in unserem Haus etabliert.

12. Nachsorge

Die regelmäßige Nachsorge findet beim Hausarzt oder Gastroenterologen statt. Sollten Befunde unklar oder auffällig sein, kann er Sie wieder an unsere Ärzte überweisen. Informationen zu Art und Umfang der Nachsorge finden Sie in Ihrem Nachsorgepass. Ihr Arzt erhält weitere Angaben mit unserem Entlassungsbrief.

Als zukünftiges Darmzentrum sind wir sehr an Ihrer Nachsorge und den Befunden interessiert. Wir möchten wissen, wie es Ihnen auch im Verlauf der nächsten Monate und Jahre geht. Daher werden wir uns von Zeit zu Zeit bei Ihnen und Ihrem Hausarzt melden, um an die Nachsorge zu erinnern und Befunde abzufragen. Bitte helfen Sie uns, mit diesen Informationen, die Qualität unserer Behandlung zu beurteilen und damit zum Wohle nachfolgender Patienten die Behandlung immer weiter zu optimieren.

13. Palliativtherapie

Palliativmedizin bedeutet aktive und ganzheitliche Hilfe für Kranke mit einer fortgeschrittenen Erkrankung. Diese Hilfe ist nicht krankheitsheilender Art, sondern kann und soll nur Krankheitssymptome lindern. Dazu können zum Beispiel Schmerzen und Übelkeit, aber auch psychologische und soziale Probleme gehören. Im Vordergrund der Palliativmedizin steht nicht die Überlebenszeit, sondern die Lebensqualität für den einzelnen Patienten nach seinen Wünschen.

Im Städtischen Klinikum Wolfenbüttel bieten wir Patienten mit fortgeschrittenem, nicht-heilbarem Darmkrebs eine umfassende palliative Betreuung an. Diese erfolgt durch speziell fortgebildete Palliativmediziner, Palliativschwestern und Therapeuten sowie einem umfassenden Sozialdienst. Für die stationäre Betreuung haben wir besonders freundlich eingerichtete Zimmer für Palliativpatienten und ihre Angehörigen geschaffen. Wir sind zudem mit ambulanten palliativen Einrichtungen, wie z.B. dem Hospizverein vernetzt. Dadurch gewährleisten wir eine umfassende stationäre und ambulante Betreuung.

14. Studien

Medizinischer Fortschritt zum Wohle unserer Patienten ist nur mit Hilfe seriöser wissenschaftlicher Untersuchungen (Studien) möglich. Dabei werden z.B. Krankheitsverläufe unter einer bestimmten Therapie beobachtet oder aber etablierte Therapieverfahren mit neuen Therapieansätzen verglichen. Wir bitten daher einzelne Patienten um die Teilnahme an einer Studie. Diese Teilnahme ist selbstverständlich immer freiwillig und man kann jederzeit davon zurücktreten. Alle Studien werden im Vorfeld durch eine so genannte Ethikkommission geprüft, zugelassen und registriert.

15. Krebsregistrierung in Niedersachsen (Tumorregister)

Um Erkrankungen besser kennenzulernen und Vorbeugung, Diagnostik und Therapie weiter zu verbessern, werden in Deutschland genaue Daten über Krebserkrankungen gebraucht. Daher wurde in Niedersachsen per Gesetzeine allgemeine Meldepflicht für Krebspatienten eingeführt. Wenn bei Ihnen eine bösartige Erkrankung festgestellt wurde, meldet Ihr behandelnden Arzt in der Praxis oder der Klinik dies an das zuständige Tumorregister (http://www.krebsregister-niedersachsen.de/). Die Daten unterliegen einem strengen Datenschutz. Persönliche Daten werden so verschlüsselt, dass Nameund Anschrift nicht mehr daraus entnommen werden können. Bitte lassen Sie Ihre Daten an das Krebsregister melden! Auch dies dient der Qualitätsverbesserung der Behandlungen.

Städtisches Klinikum Wolfenbüttel
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