Das Krankheitsbild des Dick- und Mastdarmkrebses

Der Darm als zentrales Verdauungsorgan besteht aus dem fünf Meter langen Dünndarm und dem Dickdarm (Kolon), der rund anderthalb Meter lang ist. Dieser mündet über den kurzen Enddarm (Rektum) in den After. Der Darm hat vielfältige Aufgaben. Im Wesentlichen besteht die Aufgabe des Dünndarms in der Aufnahme von Nährstoffen, die des Dickdarms in der Aufnahme von Wasser und Salzen.

Darmkrebs (kolorektales Karzinom) tritt überwiegend im Rektum und Kolon auf. Im Dünndarm kommt er nur sehr selten vor. Er entsteht durch Genmutationen, die zu ungehemmter Zellteilung führen. Dadurch können sich auch Krebszellen stark vermehren und zunächst im Darm, später auch in angrenzenden Geweben, Lymphknoten oder anderen Organen (Metastasen) wachsen. Ein Großteil der Darmkrebsfälle entwickelt sich langsam aus gutartigen Schleimhautwucherungen, die Polypen genannt werden. Diese werden im Rahmen der Darmspiegelung entdeckt und üblicherweise gleich während der Spiegelung direkt und schmerzfrei abgetragen.

Krankheitsbild Darm

Warnsignale

Blut im Stuhl ist generell ein wichtiges Warnsignal für Darmkrebs. Ein Test kann helfen, verstecktes Blut im Stuhl zu entdecken. Werden dabei Blutspuren nachgewiesen, sollte zum Ausschluss von Darmkrebs immer eine Darmspiegelung erfolgen.

Vorsorge

Darmkrebs ist sowohl bei Männern wie auch bei Frauen der zweithäufigste Tumor in Deutschland. Ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, ausgewogener Ernährung, allenfalls mäßigem Alkoholgenuss und Abstinenzvom Rauchen senkt das Darmkrebsrisiko. Klassische Risikofaktoren sind also Übergewicht, fettreiche Ernährung, Alkohol, Rauchen und mangelnde Bewegung.

Die gültige medizinische Leitlinie empfiehlt die Vorsorge-Darmspiegelung (Koloskopie) ab dem 55. Lebensjahr. Sofern allerdings in der Familie schon Darmkrebs aufgetreten ist, sollte die Vorsorge-Koloskopie sogar noch früher erfolgen. In seltenen Fällen treten auch familiäre Formen des Darmkrebses auf, die eine Überwachung schon in jungen Jahren erfordern. Die Krankenkassen zahlen die Vorsorge-Untersuchung normalerweise erst ab dem 56. Lebensjahr und dann alle 10 Jahre. Ab dem 50. Lebensjahr werden aber von den Kassen die Kosten für den Stuhltest auf verstecktes Blut übernommen.

Die Darmspiegelung

Vor der Koloskopie wird der Arzt seinen Patienten in einem Gespräch über die Vorbereitung und Durchführung der Untersuchung aufklären. So muss zum Beispiel eine Darmreinigung mit speziellen Trinklösungen erfolgen, um bei der Untersuchung eine gute Sicht im Darm zu haben.

Zur Koloskopie verwendet man heute flexible Video-Koloskope mit einem Durchmesser von nur rund einem Zentimeter. Während der Untersuchung wird Luft in den Darm geblasen, um die Sicht zu verbessern. Der gesamte Dickdarm sollte dabei eingesehen werden. Die Untersuchung dauert in der Regel rund 20 Minuten. Der Patient ist während der Koloskopie durch Medikamente sediert. Er schläft also und bekommt nichts davon mit. Er wird die ganze Zeit technisch überwacht - Puls, Blutdruck und Sauerstoffsättigung werden gemessen.

Die Untersuchung ist sicher und durch die Sedierung praktisch schmerzfrei. Anschließend kann es eventuell zu leichten Beschwerden durch die eingeblasene Luft im Darm oder durch Zug an den Bändern, die den Darm halten, kommen.

Wenn es Krebs ist…

Wenn tatsächlich Darmkrebs festgestellt wurde, sind zunächst weitere Untersuchungen notwendig. Dazu gehören auf jeden Fall ein Ultraschall des Bauches, Röntgen des Brustraums sowie Blutuntersuchungen.

Es folgt eine gemeinsame Tumorkonferenz von Internisten und Chirurgen, die aufgrund der Untersuchungsergebnisse die weitere Therapie besprechen. Diese ist abhängig vom Krankheitsstadium, also der lokalen Ausbreitung, dem Befall von Lymphknoten und dem Auftreten von Metastasen (v.a. in der Leber).

Bei vielen Patienten mit Darmkrebs wird zunächst eine Operation mit Entfernung des Tumors sowie eventuell der Lymphknoten oder Metastasen durchgeführt. Ein künstlicher Darmausgang (Stoma) ist in der Regel nur bei Tumoren notwendig, die sehr nah am After sitzen. Je nach Stadium der Erkrankung muss eine Chemotherapie angeschlossen werden („adjuvante Chemotherapie“). Bei fortgeschrittenen Befunden des Enddarmkrebses („Rektumkarzinom“) wird meist schon vor der Operation eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie eingesetzt („neoadjuvante Radio-Chemotherapie“).

Selbst wenn der Tumor vollständig entfernt wurde, ist eine regelmäßige Nachsorge bei Darmkrebs wichtig. Sie erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten. Im Städtischen Klinikum Wolfenbüttel nehmen die Ärzte jährlich rund 200 Darmoperationen vor. Dazu werden ambulant und stationär jährlich rund 1500 Darmspiegelungen sowie über 10000 Ultraschalluntersuchungen des Bauches durchgeführt. Das Darmzentrum am Städtischen Klinikum verbessert die Zusammenarbeit der verschiedenen Abteilungen innerhalb des Krankenhauses sowie mit den niedergelassenen Ärzten. Eingebunden sind dabei auch u.a. die Selbsthilfegruppe Krebs und der Hospizverein Wolfenbüttel. Der hohe Standard in der Behandlung der Patienten wird durch strukturierte Behandlungspfade im zertifizierten Zentrum gewährleistet. Diese hohen Anforderungen werden regelmäßig geprüft.

Städtisches Klinikum Wolfenbüttel
Telefon: 05331 934-0
E-Mail: info@klinikum-wolfenbuettel.de
Telefax: 05331 934-444