Darmkrebs

Darmkrebs, in der Fachsprache auch als "kolorektales Karzinom" bezeichnet, ist eine bösartige Wucherung im Dickdarm bzw. Enddarm. Der Enddarm, auch als Mastdarm bezeichnet, ist der letzte Abschnitt des Darmes unmittelbar vor dem After. Darmkrebs betrifft zu 2/3 den Dickdarm und zu 1/3 den Enddarm.

In Deutschland erkranken pro Jahr ca. 60000 Menschen an Darmkrebs, noch immer sterben jedes Jahr etwa 26000 Menschen an dieser Erkrankung. Damit ist sie hierzulande die zweithäufigste Krebserkrankung.

Risiken

Die meisten Erkrankungen entstehen sporadisch meist aus zunächst gutartigen Polypen der Darmschleimhaut (sog. Adenomen). Zu den Risikofaktoren für die Entstehung dieser Adenome zählen Übergewicht, Bewegungsarmut, Rauchen oder übermäßiger Alkoholgenuss. Aber auch Patienten, die selbst oder erstgradige Verwandte schon einmal Darmkrebs hatten, haben ein erhöhtes Risiko.

Eine weitere Risikogruppe stellen Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn dar. Bei etwa 10% der Neuerkrankungen sind genetische Veränderungen verantwortlich. Diese Erkrankungen wie beispielsweise FAP (Familiäre Adenomatöse Polyposis) oder HNPCC (Heriditäres Nicht Polypöses Kolon Karzinom) unterliegen speziellen Vererbungsmustern und betreffen durchaus auch andere Tumorerkrankungen. Bei einem Erkrankungsalter vor dem 50. Lebensjahr und gehäuftem Auftreten von Tumoren sollte die Möglichkeit einer genetischen Erkrankungsursache geklärt werden.

Symptome

In den meisten Fällen haben die Betroffenen keine oder nur uncharakteristische Beschwerden. Es gibt allerdings auch Warnsymptome, die unbedingt einer Abklärung bedürfen. Diese sind eine Änderung der Stuhlgewohnheit, also der plötzliche unerklärliche Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung, Blut im Stuhl bzw. eine schleichende Blutarmut oder eine hartnäckige Verstopfung eventuell begleitet von krampfartigen Bauchschmerzen.

Untersuchungen

Die erste Früherkennungsmaßnahme ist der Test auf verborgenes Blut. Die wichtigste Untersuchung bei Verdacht auf Darmkrebs ist jedoch die vollständige Darmspiegelung. Dabei kann man nicht nur Veränderungen der Darmwand erkennen und per Probeentnahme zur Gewebeuntersuchung sichern sondern man kann auch meist die Vorstufen der Erkrankung abtragen. Sollte eine Darmkrebserkrankung gesichert sein, versucht man durch bildgebende Verfahren wie Sonografie, Computertomografie, Kernspintomografie und Röntgen die Ausbreitung der Erkrankung möglichst genau zu beurteilen. Hinzu kommen bei Enddarmkrebs die Austastung des Darmes und eine Spiegelung des Enddarmes mit einem speziellen Endoskop.

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten Menschen zwischen dem 50. und 55. Lebensjahr jährlich kostenlos einen Test auf verborgenes Blut und ab dem 56. Lebensjahr eine Koloskopie an, welche spätestens nach zehn Jahren wiederholt wird.

Durch Teilnahme an den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen können Adenome rechtzeitig erkannt und vor der Krebsentwicklung in einer Darmspiegelung entfernt werden! Weitere Informationen hierzu finden Sie auch auf den Seiten der Felix Burda Stiftung.

Therapieempfehlung

Sollte eine Darmkrebserkrankung festgestellt worden sein, erfolgt in einem Darmkrebszentrum die Diskussion jedes einzelnen Falles innerhalb einer Tumorkonferenz. Dies ist eine regelmäßige Zusammenkunft aller Vertreter der Fachdisziplinen, die Darmkrebspatienten beurteilen und behandeln. Üblicherweise treffen sich dabei Spezialisten für Darmerkrankungen, Chirurgen mit Schwerpunkt auf Darmchirurgie, Krebsmediziner, Strahlentherapeuten, Radiologen und Pathologen. Grundlage der Diskussion ist die aktuelle Leitlinie der Fachgesellschaften. Im Ergebnis der Konferenz wird den Patienten eine individuelle Empfehlung zur Behandlung ausgesprochen.

Therapie

In den meisten Fällen ist eine operative Tumorentfernung die Behandlung der Wahl. Diese Eingriffe unterliegen einer hohen Standardisierung und verfolgen das Ziel, den Tumor und dessen Lymphabflussgebiet zu entfernen. Mittlerweile können prinzipiell sämtliche dieser Eingriffe auch per Minimal-Invasivem Vorgehen durchgeführt werden. Dies erlaubt dem Patienten eine raschere Erholung und weniger Schmerzen ohne Abstriche bei der Radikalität oder Sicherheit einzugehen. Welches Verfahren im individuellen Fall sinnvoll ist, wird allerdings im Rahmen eines umfassenden Vorgespräches mit dem Chirurgen geklärt. Ein künstlicher Darmausgang wird dabei heute nur noch selten und in speziellen Fällen, zum Beispiel bei Tumorbefall des Schließmuskels, angelegt. Die Operationen dauern meist zwischen 2 und 4 Stunden, der Aufenthalt im Krankenhaus zirka 7 bis 10 Tage.

Eine Chemotherapie oder Bestrahlung muss bei Patienten mit Erkrankungen, die ein gewisse Ausbreitung erreicht haben, durchgeführt werden. Meist erfolgt diese Behandlung erst nach einer Operation (adjuvant), bei Patienten mit Enddarmkrebs durchaus auch einmal zur besseren Tumorkontrolle vor einer Operation (neoadjuvant). Die Chemotherapie kann überwiegend ambulant erfolgen, teilweise sogar auch per Tabletteneinnahme. Diese und andere Fragen, beispielsweise nach den Nebenwirkungen der Behandlung, sind Gegenstand eines ausführlichen Gespräches mit dem behandelnden Krebsmediziner. Bestrahlungen finden in speziellen Zentren statt und bedürfen einer sorgfältigen Vorbereitung und Planung. Auch vor einer solchen Behandlung wird ein klärendes Gespräch erfolgen.

In den meisten Fällen können die Bestrahlungen ebenfalls ambulant durchgeführt werden. Zu den genannten klassischen Verfahren gibt es noch weitere Möglichkeiten, Patienten mit Tumorerkrankungen zu behandeln. Beispielhaft ist hierbei die RFA (Radio Frequenz Ablation) zu nennen. Hierbei werden Tumorabsiedlungen in der Leber, wo sie nicht operativ entfernt werden können, mit Hilfe spezieller Sonden per örtlicher Hitzeanwendung zerstört.

Bei einigen Patienten kann aus Gründen des fortgeschrittenen Tumors, des hohen Lebensalters oder erheblicher Zusatzerkrankungen eine radikale Operation nicht durchgeführt werden. Diese Patienten werden sehr individuell beraten und es wird versucht, durch geeignete Maßnahmen eine zufriedenstellende Lebensqualität zu erhalten.

Nach der Behandlung – Nachsorge

Mit Abschluss der rein medizinischen Behandlung wie der Operation oder einer Chemo- oder Strahlenbehandlung steht für viele Patienten der Weg zurück in den Alltag im Fokus.

Das Darmkrebszentrum steht dem Betroffenen als auch den Angehörigen dabei mit vielfältigen Hilfsangeboten zur Seite.

Der Sozialdienst kann bei Fragen zur Anschlussheilbehandlung, der Wiedereingliederung ins Berufsleben und vielen anderen behilflich sein.

Die Psychoonkologie bietet Unterstützung zur Bewältigung der psychischen Folgen einer solchen Erkrankung an.

Die Stomaberatung kümmert sich um die Anleitung zur Versorgung eines künstlichen Ausganges und der Bereitstellung der Materialien.

…um nur einige zu nennen.

Patienten mit Darmkrebs wird heutzutage empfohlen, sich nach einer Tumorbehandlung in den folgenden 5 Jahren regelmäßigen Kontrolluntersuchungen zu unterziehen. Diese Nachsorge erfolgt nach den Empfehlungen der Deutschen Krebsgesellschaft einem Schema:

Grafik „Nachsorgeschema/Tabelle“

Dieses Schema findet sich auch im Tumorpass der Patienten, der zum Ende der Behandlung ausgehändigt wird.

Städtisches Klinikum Wolfenbüttel
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